Verteidigung bei fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr

Fahrlässige Körperverletzungen kommen in allen Lebensbereichen vor. Regelmäßig geraten Autofahrer, die einen Verkehrsunfall mit Personenschaden verursacht haben sollen, auf diesem Wege ins Visier der Strafverfolgungsbehörden. In vielen Fällen können die Strafverfahren eingestellt werden. Sollten sie also einer fahrlässigen Körperverletzung beschuldigt werden, wenden Sie sich sofort an einen im Verkehrsstrafrecht versierten Verteidiger. Ich werde den Sachverhalt anhand der Ermittlungsakte dahin gehend überprüfen, ob überhaupt ein strafbares Verhalten vorgelegen hat. Zudem werde ich in geeigneten Fällen darauf hinwirken, dass das Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung ohne oder gegen die Erfüllung von Auflagen, wie einer wohltätigen Spende, schon eingestellt wird, bevor es überhaupt zu einer Anklage kommt.

Die Körperverletzung muss auf ein fahrlässiges Verhalten zurückzuführen sein, was bei eigenverschuldeten Verkehrsunfällen von den Strafverfolgungsbehörden fälschlicherweise schon fast „automatisch“ angenommen wird. Ein fahrlässiges Handeln ist gegeben, wenn jemand objektiv gegen eine Sorgfaltspflicht verstößt und wenn dieser Pflichtverstoß unmittelbar oder mittelbar die Körperverletzung zur Folge hat, die der Handelnde nach seinen eigenen Kenntnissen vorhersehen und vermeiden konnte. Wer sich z.B. als Autofahrer beim Rechtsabbiegen nicht vergewissert, ob er gerade rechts von einem Radfahrer überholt wird, oder wer im Straßenverkehr zu schnell fährt, unterlässt jeweils die im Verkehr erforderliche Sorgfalt. Kommt es zu einem Unfall mit Personenschaden, liegt eine relevante Pflichtverletzung vor.

Neben einem fahrlässigen Verhalten muss aber auch noch ein sogenannter Pflichtwidrigkeitszusammenhang zwischen der Pflichtverletzung auf der einen und der Schädigung auf der anderen Seite bestehen. Hierfür ist erforderlich, dass die Verletzung unmittelbar auf der Pflichtverletzung beruht. Dieser Zusammenhang wäre gegeben, wenn man eine rote Ampel überfährt und deswegen einen Fußgänger anfährt. Fährt man allerdings über eine rote Ampel und verursacht erst einen Kilometer später einen Unfall, so ist das Überfahren der roten Ampel zwar kausal für den Unfall. Hätte man an der roten Ampel angehalten, hätte man zu einem späteren Zeitpunkt die Unfallstelle erreicht und der Unfall hätte vermieden werden können. Es fehlt aber am an dem besonderen Zusammenhang. Die rote Ampel hat lediglich die Aufgabe, im Ampelbereich die Vorfahrt zu regeln. Vom Schutzbereich der roten Ampel wird nicht mehr der Bereich in einem Kilometer Entfernung erfasst.

Der Eintritt der Verletzung muss darüber hinaus auch vorhersehbar gewesen sein, was immer dann der Fall ist, wenn man nach den Erfahrungen des täglichen Lebens damit rechnen konnte. Es ist beispielsweise für einen Autofahrer vorhersehbar, dass es im Winter auf Brücken regelmäßig glatt ist.

Darüber hinaus kommt es für die Beurteilung, ob jemand eine fahrlässige Körperverletzung begangen hat, auch auf die Frage der sogenannten Vermeidbarkeit an. Unvermeidbar ist eine Schädigung, wenn sie auch ohne den Verstoß eingetreten wäre. Fährt beispielsweise ein Autofahrer zu schnell und verursacht einen Verkehrsunfall, zu dem es aber auch mit gleichen Verletzungen gekommen wäre, wenn der Autofahrer mit zulässiger Geschwindigkeit gefahren wäre, dann wäre der Unfall unvermeidbar gewesen.

Die fahrlässige Körperverletzung wird regelmäßig nur dann verfolgt, wenn der Verletzte einen Strafantrag stellt. Nur die Erstattung einer Strafanzeige ist in der Regel nicht ausreichend. In selteneren Fällen kann es auch zu einer Strafverfolgung kommen, wenn die Staatsanwaltschaft ein besonderes öffentliches Interesse darin sieht. Das ist meistens dann der Fall, wenn zur fahrlässigen Körperverletzung noch weitere Straftaten hinzutreten.

Das Gesetz sieht für die fahrlässige Körperverletzung Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Die tatsächliche Höhe der Straferwartung richtet sich dann nach der Schwere der Pflichtverletzung und den Verletzungen des Geschädigten, aber auch nach etwaigen straf- oder verkehrsrechtlichen Vorbelastungen.