Verteidigung bei Körperverletzung

Wenn Sie wegen einer Anzeige wegen Körperverletzung eine Vorladung der Polizei übersandt oder gar eine Anklageschrift zugestellt bekommen haben, ist es höchste Zeit, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Körperverletzung ist eines der am häufigsten vorkommenden Delikte im Strafrecht. Es gibt sie im Wesentlichen in vier verschiedenen Formen: die einfache, die gefährliche, die schwere und die fahrlässige Körperverletzung.

„Einfache“ Körperverletzung

Nach § 223 Abs. 1 StGB macht sich derjenige, der wissentlich und gewollt eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, einer „einfachen“ Körperverletzung strafbar. Diese wird mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe bestraft. Nach § 223 Abs. 2 StGB ist auch der Versuch strafbar.

Eine körperliche Misshandlung liegt dann vor, wenn das Opfer auf eine Art behandelt wird, die es entweder in seinem körperlichen Wohlbefinden oder in seiner körperlichen Unversehrtheit verletzt. Das körperliche Wohlbefinden ist beeinträchtigt, wenn das Opfer Schmerzen erleidet, wie zum Beispiel bei einer Ohrfeige. Die körperliche Unversehrtheit ist dann beeinträchtigt, wenn jemand eine Verletzung am Körper des Opfers verursacht. Ein klassischer Fall hierfür wäre eine Beule oder eine Wunde. Hierbei kommt es nicht darauf an, dass das Opfer auch Schmerz empfindet, weswegen zum Beispiel auch das Abschneiden von Haaren eine Körperverletzung darstellen kann. Ganz unerhebliche Bagatellfälle werden jedoch aus der Bewertung ausgenommen, sodass z.B. das Zufügen ganz kleiner Kratzer keine Körperverletzung darstellt.

Eine Gesundheitsschädigung ist gegeben, wenn bei dem Opfer ein krankhafter Zustand herbeigeführt oder gesteigert wird. Das ist klassisch der Fall bei einer Ansteckung mit einer Krankheit oder bei der Verursachung von Knochenbrüchen. Ebenso ist aber auch die Vergiftung oder die Auslösung von Rauschzuständen erfasst. Der krankhafte Zustand muss jedoch eine gewisse Intensität erreichen, so dass die Ansteckung mit einem leichten Schnupfen oder das Verabreichen unerheblich kleiner Mengen Alkohol nicht darunter fallen würden.

Grundsätzlich kann das Opfer in die Körperverletzung einwilligen, sich also damit einverstanden erklären. Daher machen sich z.B. Ärzte oder Tätowierer auch nicht nach § 223 StGB strafbar, wenn der Verletzte zuvor der schmerzhaften Heilbehandlung oder dem Tätowieren zustimmt. Allerdings kann man sich trotz einer vorherigen Einwilligung des Opfers einer strafbar machen, wenn die Körperverletzungshandlung gegen die guten Sitten verstößt. Eine solche sittenwidrige Körperverletzung liegt z.B. meist dann vor, wenn sich der Einwilligende sogar in Todesgefahr begibt.

Regelmäßig wird eine Körperverletzung nur dann verfolgt, wenn das Opfer einen Strafantrag stellt, es also auf einer Bestrafung besteht. Allerdings kann die Staatsanwaltschaft eine Körperverletzung auch ohne vorliegenden Strafantrag verfolgen, wenn sie der Meinung ist, dass ein besonderes öffentliches Interesse dies gebietet. Ein besonderes öffentliches Interesse z.B. dann vor, wenn der Beschuldigte schon mehrfach wegen anderer ähnlicher Straftaten verurteilt worden oder besonders brutal vorgegangen ist. Die Staatsanwaltschaft verfolgt Körperverletzungen in der Regel auch dann ohne vorliegenden Strafantrag, wenn es dem Opfer wegen eines Näheverhältnisses zum Beschuldigten nicht zugemutet werden kann, selbst einen Strafantrag zu stellen. Im Rahmen der fahrlässigen Körperverletzung kommt ein besonderes öffentliches Interesse z.B. bei besonders präventionsrelevanten Verkehrsunfällen (Raser, Alkohol im Spiel) in Betracht.

Gefährliche Körperverletzung

Die gefährliche Körperverletzung gilt als „Qualifikation“ der einfachen Körperverletzung und wird härter bestraft, weil die Art und Weise, wie die Körperverletzung begangen wird, als besonders gefährlich anzusehen ist. Für eine gefährliche Körperverletzung ist Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren zu verhängen, während für die einfache Körperverletzung auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe erkannt werden kann. Auch hier ist bereits der Versuch strafbar.

In § 224 StGB sind fünf Varianten der Tatbegehung geregelt, denen eine besondere Gefährlichkeit zugeschrieben wird und die daher als gefährlich gelten. Die erste Variante ist die Körperverletzung durch Beibringung von Gift oder anderen gefährlichen Stoffen. Gift ist dabei nur ein besonders hervorgehobenes Beispiel der gefährlichen Stoffe. Andere gefährliche Stoffe wirken vor allem mechanisch, wie zerstoßenes Glas, oder thermisch, wie kochendes Wasser, im und am Körper des Opfers. Allerdings werden auch besonders gefährliche Krankheitserreger wie das HI-Virus in dieser Kategorie erfasst. Es kommt dabei auf den Einzelfall an, so dass die konkrete Dosierung des Giftes oder des gefährlichen Stoffes geeignet sein muss, erhebliche Gesundheitsschäden hervorzurufen. Die Geeignetheit ist aber wiederum ausreichend, es muss nicht im Ergebnis zu einem ganz erheblichen Gesundheitsschaden gekommen sein. Die zweite und wohl am häufigsten vorkommende Variante ist die Tatbegehung mit einer Waffe oder einem gefährlichen Werkzeug. Waffen sind Gegenstände, die schon aufgrund ihrer Konstruktion als Angriffs- oder Verteidigungsmittel verwendet werden. Hierunter fallen u.a. Pistolen, Schwerter oder beispielsweise auch eine Armbrust. Gefährliche Werkzeuge sind dagegen Gegenstände, die nicht per se gefährlich, aber durch ihre tatsächliche Art der Verwendung geeignet sind, das Opfer erheblich zu verletzen. So ist z.B. ein Baseballschläger eigentlich ein Sportgerät, führt aber zu erheblichen Verletzungen, wenn man jemanden damit schlägt. Die „Werkzeuge“ müssen Gegenstände und daher beweglich sein. Daher fallen eine Hauswand oder eine Bordsteinkante, gegen die das Opfer gestoßen wird, nicht hierunter. Diese Tatbegehung fällt aber unter die nächste Variante, der Begehung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung. Diese Variante ist immer dann gegeben, wenn die Begehungsweise der Körperverletzung grundsätzlich geeignet ist, das Opfer in die Gefahr des Todes zu bringen. Den Kopf des Opfers gegen eine Bordsteinkante zu stoßen, wäre eben ein solcher Fall. Die vierte Variante ist gegeben, wenn das Opfer hinterlistig überfallen wird. Ein hinterlistiger Überfall liegt immer dann vor, wenn die Absicht, jemanden zu verletzen, planmäßig verschleiert wird, um die Ahnungslosigkeit des Opfers für den Angriff auszunutzen. Es ähnelt daher dem Mordmerkmal der Heimtücke. Ebenfalls häufig kommt die letzte Variante, die gemeinschaftliche Begehung der Körperverletzung vor. Dazu müssen mindestens zwei Personen die Körperverletzung gemeinsam begehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Beteiligten selbst Körperverletzungshandlungen begehen müssen. Es genügt, wenn z.B. nur ein Täter zuschlägt und der andere ihn dabei geistig unterstützt, indem er ihn zum Beispiel anfeuert.

schwere Körperverletzung

Bei der schweren Körperverletzung wird nicht die Gefährlichkeit der Begehung besonders bestraft, sondern der Eintritt außerordentlich schwerwiegender Folgen der Körperverletzung. Die schwere Körperverletzung ist ein Verbrechen und wird mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren bestraft. Die Mindeststrafe steigt auf drei Jahre Freiheitsentzug an, wenn es bei der Körperverletzung gerade darauf angekommen ist, die besonders schweren Tatfolgen herbeizuführen. Wie bei der gefährlichen Körperverletzung gibt es auch hier einen „Katalog“ der besonders schweren Tatfolgen. Die erste Variante ist der Verlust bestimmter Sinnes- oder Körperfunktionen. So liegt eine schwere Körperverletzung dann vor, wenn das Opfer auf einem oder beiden Augen das Augenlicht verliert. Außerdem ist auch der Verlust des Gehörs, also der Fähigkeit, artikulierte Laute akustisch wahrzunehmen, und des Sprechvermögens, also die Fähigkeit zu artikuliertem Reden, eine schwere Tatfolge. Schließlich fällt auch der Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit in diese Kategorie. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Opfer bereits geschlechtsreif ist, so dass auch Kinder hierunter fallen können, da sie bereits die Anlagen zur Fortpflanzung in sich tragen. Die zweite Variante betrifft den Verlust oder die dauerhafte Gebrauchsunfähigkeit eines wichtigen Körpergliedes. Körperglieder sind solche Körperteile, die durch Gelenk mit dem Körper verbunden sind, also Arme, Beine oder Finger. Die Frage, ob es sich um ein wichtiges Glied handelt, hängt sowohl von der objektiven Gesamtfunktion als auch von individuellen Bedürfnissen ab. So ist ein Arm wohl stets ein wichtiges Glied, ein Finger aber nicht unbedingt. So kann der Verlust des kleinen Fingers eine schwere Körperverletzung sein, wenn das Opfer z.B. beruflich als Pianist arbeitete oder ohnehin nur noch Daumen und kleinen Finger an der Hand hatte. Es wäre aber keine schwere Körperverletzung, wenn das Opfer noch die vier übrigen Finger hat. Die dritte Variante ist die dauerhafte Entstellung oder der Verfall des Opfers in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit oder Behinderung. Eine Person ist dann dauerhaft erheblich entstellt, wenn ihr äußeres Erscheinungsbild auf unbestimmte Zeit ästhetisch beeinträchtigt ist. Es scheidet aber dann aus, wenn die Entstellung durch Prothesen oder kosmetische Operationen behoben werden kann. Siechtum liegt vor, wenn das Opfer aufgrund der Körperverletzung in einen zeitlich nicht absehbaren chronischen Krankheitszustand verfällt, der den ganzen menschlichen Organismus erfasst. Gelähmt ist, wer die Bewegungsfähigkeit eines Körperteils verliert, was sich nachteilig auf die Bewegungsfähigkeit des ganzen Körpers auswirkt.

Körperverletzung mit Todesfolge

Tritt durch die Körperverletzung der Tod des Opfers, ein, so kommt eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Betracht. Diese wird mit Freiheitsstrafe von drei bis fünfzehn Jahren bestraft. Es handelt sich hier um eine Kombination aus vorsätzlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung. Es kommt also in subjektiver Hinsicht darauf an, dass das Opfer lediglich verletzt werden sollte, aber auch vorauszusehen war, dass die Verletzungshandlung einen potentiell tödlichen Ausgang haben könnte. Dabei kommt es noch nicht einmal darauf an, dass der Tod des Opfers unmittelbar aufgrund der Körperverletzung eintritt. Es reicht vielmehr aus, dass die in der Körperverletzungshandlung innewohnende Gefahr zum Tod des Opfers führte. Dazu gehören auch Panik oder Fluchtversuche des Opfers. Springt beispielsweise ein Opfer aus dem Fenster, um sich weiteren Körperverletzungshandlungen zu entziehen, und bricht sich dadurch das Genick, so ist der Tod zuzurechnen und wird als Körperverletzung mit Todesfolge bestraft. Ausgenommen sind Fälle, in denen mindestens grob fahrlässiges Verhalten Dritter zum Tod des Opfers führt. So wäre der Kausalzusammenhang durchbrochen, wenn das leicht verletzte Opfer auf dem Weg ins Krankenhaus stirbt, weil der betrunkene Krankenwagenfahrer einen Autounfall verursacht. Bei leichter oder einfacher Fahrlässigkeit eines Dritten gilt dies nur, wenn dieses Risiko nicht erkennbar war. Das wird aber sehr eng ausgelegt. So wurde beispielsweise eine Person wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt, die einen Hochsitz umstieß, wodurch das Opfer sich eine Knöchelfraktur zuzog und später im Krankenhaus aufgrund eines Behandlungsfehlers an einer Lungenembolie verstarb. Das ist jedoch sicher ein absoluter Grenzfall und nicht verallgemeinerbar. Es zeigt jedoch, dass man gut argumentieren muss, wozu ein im Strafrecht versierter Rechtsanwalt stets in der Lage sein wird.