Verteidigung bei räuberischem Diebstahl

Sie wurden bei einem Ladendiebstahl vom Ladendetektiv erwischt und haben ihn weggestoßen oder sich aus seinem Griff losgerissen? Dann haben sie möglicherweise nicht nur einen einfachen Ladendiebstahl, sondern einen räuberischen Diebstahl begangen, welcher ein Verbrechen darstellt und mit Freiheitsstrafe von einem bis zu fünfzehn Jahren bestraft. Wenn Sie daher des räuberischen Diebstahls bezichtigt werden, sollten Sie sich schnellstmöglich engagierten und qualifizierten Beistand suchen. Ich stehe Ihnen gerne mit meiner Expertise zur Seite. Zu beachten ist auch, dass beim Vorwurf des räuberischen Diebstahls zwingend ein Pflichtverteidiger zu bestellen ist. Sie erhalten daher meist zeitnah ein Schreiben vom zuständigen Gericht mit der Aufforderung, einen Verteidiger zu benennen. Die vom Gericht gesetzte Frist sollten Sie ernst nehmen und sich zeitnah an einen von Ihnen gewählten Verteidiger wenden. Das Gericht wird anderenfalls einen Verteidiger als Pflichtverteidiger beiordnen, der das Wohlwollen des Gerichts genießt. Dieses Wohlwollen ist nicht gleichzusetzen mit Ihrem Interesse an einer effektiven Verteidigung

Voraussetzung für einen räuberischen Diebstahl ein vollendeter „normaler“ Diebstahl. Man muss also eine fremde bewegliche Sache weggenommen haben. Außerdem muss man dabei erwischt worden sein. Zu einem räuberischen Diebstahl wird das ganze Geschehen, wenn man sich dann durch Gewaltanwendung oder mit Drohungen wehrt. Dabei müssen die Gewalt oder die Drohungen den Zweck haben, sich im Besitz der gestohlenen Sache zu halten. Ein räuberischer Diebstahl liegt also dann vor, wenn man sich gegenüber dem Entdecker des Diebstahls gewalttätig oder bedrohlich verhält, um das Diebesgut zu behalten.

Auf frischer Tat betroffen ist man, wenn noch ein enger zeitlicher und örtlicher Zusammenhang zum Diebstahl besteht. Wird beispielsweise ein Diebstahl in einem Selbstbedienungsladen begangen, kann ein enger örtlicher Zusammenhang noch für den Ausgangsbereich des Ladens oder auch noch für den Parkplatz angenommen werden. Ausreichend ist eine gewisse Nähe zum Ort des Diebstahls. Ein enger zeitlicher Zusammenhang ist in der Regel unmittelbar nach der Diebstahlstat gegeben, kann aber auch noch nach einer Verfolgungsjagd vorliegen. Läuft man also zunächst vor einem Ladendetektiv weg, kann der begangene Diebstahl durch Gewaltanwendung während der Ergreifung nach wenigen Minuten immer noch zu einem räuberischen Diebstahl werden.

Unter Gewalt ist jeder durch Einwirkung auf die Person verursachter körperlich wirkender Zwang, um einen geleisteten oder erwarteten Widerstand zu überwinden, gemeint. In den meisten Fällen des räuberischen Diebstahls soll das Festhalten durch die Gewaltanwendung verhindert werden. Eine Drohung ist das Inaussichtstellen eines zukünftigen Übels. Die Drohung kann ausdrücklich oder durch schlüssiges Verhalten konkludent zum Ausdruck gebracht werden. Eine Drohung liegt beispielsweise vor, wenn man dem Entdecker ankündigt, man werde ihn niederschlagen. Eine Drohung kann gegebenenfalls aber auch vorliegen, wenn man nur durch Gesten ein konkretes zukünftiges Übel andeutet, zum Beispiel durch das Ballen und Schwingen der Faust. Entscheidend ist dabei, dass die drohende Person Einfluss auf das zukünftige Übel hat oder zu haben vorgibt.

Die Besitzerhaltungsabsicht setzt voraus, dass man sich selbst im Besitz des gestohlenen Gutes erhalten möchte. Im Gegensatz zum einfachen Diebstahl oder zum Raub wird das Merkmal der sogenannten Drittzueignungsabsicht beim räuberischen Diebstahl nicht erwähnt. Es ist daher für einen räuberischen Diebstahl nicht ausreichend, dass man ausschließlich einer dritten Person den Besitz am gestohlenen Gut sichern möchte. Jedoch kann eine Besitzerhaltungsabsicht für den räuberischen Diebstahl wiederum angenommen werden, wenn man neben dem Drittbesitz zumindest auch seinen eigenen Besitz sichern möchte.

Voraussetzung für den räuberischen Diebstahl ist ein tatsächlich vollendeter Diebstahl. Wenn man nichts gestohlen hat und trotzdem als Verdächtiger festgehalten wird, darf man sich unter bestimmten Voraussetzungen aus Gründen der Notwehr wehren. Allerdings muss dabei stets die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. Ein leichtes Losreißen wird eher gerechtfertigt sein, das Niederschlagen nicht. In jedem Fall ist es vor einer etwaigen Gewaltanwendung ratsam, den Irrtum durch ein Gespräch aufzuklären. Eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung bleibt neben dem vermeintlichen räuberischen Diebstahl nämlich weiterhin möglich.