Verteidigung bei Raub

Die Beschuldigung des Raubes ist schnell erhoben und der Vorwurf wiegt schwer, handelt es sich doch beim Raub um ein Verbrechen mit zwingender Freiheitsstrafe als Folge. Wenn Sie daher des Raubes bezichtigt werden, sollten Sie sich schnellstmöglich engagierten und qualifizierten Beistand suchen. Ich stehe Ihnen gerne mit meiner Expertise zur Seite. Zu beachten ist auch, dass beim Vorwurf des Raubes zwingend ein Pflichtverteidiger zu bestellen ist. Sie erhalten daher meist zeitnah ein Schreiben vom zuständigen Gericht mit der Aufforderung, einen Verteidiger zu benennen. Die vom Gericht gesetzte Frist sollten Sie ernst nehmen und sich zeitnah an einen von Ihnen gewählten Verteidiger wenden. Das Gericht wird anderenfalls einen Verteidiger als Pflichtverteidiger beiordnen, der das Wohlwollen des Gerichts genießt. Dieses Wohlwollen ist nicht gleichzusetzen mit Ihrem Interesse an einer effektiven Verteidigung

Wegen Raubes wird bestraft, wer mit Gewalt gegen eine Person oder durch Drohung mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben eine fremde bewegliche Sache in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen. Der Raub ist Freiheitsstrafe von einem bis zu fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe bedroht und somit ein Verbrechen, was dazu führt, dass ohne weitere gesetzliche Nennung auch der Versuch strafbar ist. In minder schweren Fällen droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Ein solcher minder schwerer Fall kann beispielsweise vorliegen, wenn die angewendete Gewalt als gering anzusehen ist, beispielsweise bei einer Ohrfeige.

Beim Raub wird wie auch beim Diebstahl eine fremde bewegliche Sache in Zueignungsabsicht weggenommen. Allerdings erfolgt die Tathandlung der Wegnahme beim Raub unter Einsatz sogenannter qualifizierter Nötigungsmittel wie Gewalt gegen eine Person oder Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben.

Eines der Nötigungsmittel ist die Gewalt gegen eine Person, was als physische Einwirkung auf den Körper der anderen Person zu verstehen ist. Zweck dieser physischen Einwirkung muss es sein, mögliche Gegenwehr gegen die Wegnahme der fremden beweglichen Sache zu brechen oder zu verhindern und auf diese Weise die Wegnahme zu ermöglichen. Das klassische Beispiel hierfür ist, jemanden niederzuschlagen, um dann das Handy wegnehmen zu können. Es genügt, dass die Gewalteinwirkung zum Brechen oder Verhindern des Widerstandes geeignet ist. Hierzu muss sie nicht zwingend besonders intensiv sein. Es reicht aber auch eine indirekte Gewalteinwirkung aus, wenn sie vom Opfer als Zwang wahrgenommen wird. Daher übt auch derjenige, der eine Handtasche mit Gewalt wegreißt, Gewalt gegen eine Person aus.

Das zweite Nötigungsmittel ist die Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben. Das bedeutet, dass dem Geschädigten oder einer diesem nahe stehenden Person mit dem Tode oder einer erheblichen Körperverletzung gedroht wird, und der Drohende den Eindruck erweckt, dass es in seiner Hand liegt, ob es hierzu kommt. Ein Beispiel hierfür wäre die Drohung, der Täter werde dem Geschädigten die Beine brechen, wenn er Widerstand gegen die Wegnahme der Sache leisten sollte. Dabei ist es unerheblich, ob der Drohende tatsächlich in der Lage ist, das angedrohte Übel herbeizuführen. So erfüllt grundsätzlich auch derjenige, der droht, er werde einen anderen erschießen, obwohl es sich bei der Pistole, die er in der Hand hält, tatsächlich um eine Wasserpistole handelt, das Tatbestandsmerkmal der Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben.

Die Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben muss dem Zweck dienen, die Wegnahme der Sache zu ermöglichen.

Neben dem minder schweren Fall des Raubes, der nicht so hart bestraft wird, gibt es wie beim Diebstahl noch sogenannte Qualifikationen, die noch einmal härter bestraft werden als der „einfache“ Raub.

Ein schwerer Raub liegt vor, wenn zum einfachen Raub noch strafschärfende Begleitumstände hinzukommen. Diese lassen sich grob in vier Gruppen einteilen: Raub mit Waffen, Raub mit besonderen Gefährdungsfolgen, Raub mit schwerer körperlicher Misshandlung und Bandenraub.

Mit mindestens drei Jahren Freiheitsstrafe wird bestraft, wer bei dem Raub eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug bewusst bei sich führt. Für das Mitführen reicht es aus, dass die Waffe oder das gefährliche Werkzeug dem Räuber bei der Tat zur Verfügung steht, er also darauf zurückgreifen kann. Ein Tragen am Körper ist nicht zwingend notwendig.

Waffen sind bewegliche Gegenstände, die als Angriffs- oder Verteidigungsmittel konstruiert sind, und nach ihrer Art dazu geeignet und bestimmt sind, erhebliche Verletzungen von Personen zu verursachen. Dazu gehören Schusswaffen, auch die geladene Schreckschusspistole, Hieb- und Stichwaffen wie Degen oder Machete, Schlagwaffen wie Schlagringe oder Totschläger, sowie Elektroschocker und Pfefferspray.

Ein gefährliches Werkzeug ist jeder körperliche Gegenstand, der zu einem anderen Zweck konstruiert wurde, aber der im Falle seines Einsatzes gegen eine Person geeignet, bei dieser erhebliche Verletzungen zu verursachen. Beispielsweise ist ein Hammer eigentlich als Handwerkzeug gedacht, seine Verwendung kann aber, wenn er gegen den Kopf eines anderen eingesetzt wird, potentiell tödliche Folgen haben. Andere Beispiele wären ein Teppichmesser, Baseballschläger, aber z.B. auch Hunde oder Schuhe in Verbindung mit der Kraft des Fußes.

Wird die Waffe oder das gefährliche Werkzeug während der Tatausführung des Raubes verwendet, so ist die Mindeststrafe sogar fünf Jahre Freiheitsstrafe. Zum Verwenden reicht das Drohen mit der Waffe oder dem gefährlichen Werkzeug schon aus. Es muss also nicht geschossen oder geschlagen werden, um diese zu verwenden.

Auch mit mindestens drei Jahren Freiheitsstrafe wird bestraft, wer ein sonstiges Mittel oder Werkzeug bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden. Dies kann praktisch jeder hierfür geeignete Gegenstand sein. Die klassischen Fälle hierfür sind ein Seil zum Fesseln, Klebeband zum Knebeln oder auch die Spielzeugpistole. Diese Gegenstände müssen aber in der Absicht bei sich geführt werden, sie auch tatsächlich bei der Tatausführung zu verwenden.

Ein minder schwerer Fall des Waffenraubes wird mit sechs Monaten bis zehn Jahren Freiheitsstrafe bestraft.

Mit Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren wird bestraft, wer durch den Raub eine andere Person in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt. Mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren wird bestraft, wer durch den Raub eine andere Person in die Gefahr des Todes bringt. Hierfür muss die Gefahr in beiden Fällen tatsächlich bestanden haben. Für den Fall der Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung muss also eine konkrete Gefahr bestanden haben, dass das Opfer eine ernste und langwierige Krankheit erleidet oder seine Arbeitskraft erheblich beeinträchtigt wird. Für die Gefahr des Todes muss eine konkrete lebensbedrohliche Gefahr vorgelegen haben. Diese wäre beispielsweise bei einem Schuss in den Oberkörper gegeben, da hierdurch die lebensnotwendigen Organe verletzt werden könnten.

Mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe stehen zur Debatte, wenn eine andere Person bei dem Raub körperlich schwer misshandelt wird. Eine schwere körperliche Misshandlung liegt vor, wenn die Körperverletzung mit erheblichen und lange andauernden Schmerzen verbunden ist. Das ist beispielsweise der Fall bei wiederholten heftigen Schlägen oder bei langen schmerzhaften Fesselungen in Stresspositionen. Die schwere körperliche Misshandlung muss bei der Tat erfolgen. Dabei muss die Misshandlung nicht zur Beuteerlangung oder Beutesicherung erfolgen, sondern es reicht aus, dass sie bei der Gelegenheit des Raubes geschieht.

Mindestens drei Jahre Freiheitsstrafe sieht der Gesetzgeber für den Bandenraub vor. Der Raub muss dafür als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Diebstahls oder Raubtaten verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitgliedes begangen werden. Eine Bande ist dabei eine Gruppe von mindestens drei Personen, die sich zusammengeschlossen haben, um mehrere Straftaten zu begehen, die zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses noch nicht im Einzelnen feststanden. Darüber hinaus müssen mindestens zwei Bandenmitglieder an dem Raub beteiligt sein. Das Mindestmaß der Freiheitsstrafe erhöht sich für alle an der Tat beteiligten Bandenmitglieder auf mindestens fünf Jahre, wenn ein Tatbeteiligter (nicht notwendigerweise eines der beteiligten Bandenmitglieder!) bei der Tatausführung eine Waffe bei sich führt.

Eine weitere Strafschärfung bietet der Raub mit Todesfolge, welcher eine sogenannte Erfolgsqualifikation darstellt. Der Raub mit Todesfolge liegt vor, wenn der Täter durch seinen Raub wenigstens leichtfertig den Tod eines anderen Menschen verursacht. Dabei muss es sich bei dem Getöteten nicht unbedingt um das Opfer des Raubes handeln, es kann auch ein unbeteiligter Dritter sein, wie ein Passant, der durch einen Querschläger getroffen wird. Es muss sich aber gerade die der Raubhandlung eigentümliche Gefahr verwirklicht haben, so dass der Tod des Opfers in direktem Zusammenhang mit dem Einsatz der Nötigungsmittel stehen muss. Der Täter muss den Tod wenigstens leichtfertig verursacht haben. Leichtfertigkeit ist ein erhöhter Grad der Fahrlässigkeit. Leichtfertig tötet, wer die Lebensgefährdung infolge grober Achtlosigkeit nicht erkennt oder sich über die klar erkannte Möglichkeit des Todes rücksichtslos hinwegsetzt.

Der Raub mit Todesfolge wird mit mindestens zehn Jahren Freiheitsstrafe bestraft. In besonders schweren Fällen, insbesondere solchen, die einem Mord aus Habgier nahe kommen, droht sogar lebenslange Freiheitsstrafe.