Verteidigung bei Vollrausch

Findet man die Bezeichnung „Vollrausch“ als eigenständige Straftat im StGB, bekommt man zunächst vielleicht einen kleinen Schreck. Wohl fast jeder hat schon mal das erlebt, was man im Volksmund als Vollrausch bezeichnet, ist dafür aber jedenfalls im juristischen Sinne nicht bestraft worden. Daher muss man mal etwas genauer hinsehen.

Wenn Sie eine Strafanzeige oder eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung mit dem Tatvorwurf des Vollrausches oder sogar schon eine Anklage oder Ladung zur Hauptverhandlung erhalten haben, ist es daher höchste Zeit, sich umfänglich vom Strafverteidiger beraten zu lassen. Gerne können Sie über mein Kontaktformular kurzfristig einen Beratungstermin vereinbaren.

Eine fundierte Rechtsberatung in Ermittlungsverfahren wegen Vollrausches ist selbstverständlich nur bei exakter Sachverhaltskenntnis und der Beantragung von Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft möglich. Durch die Akteneinsicht gewinnt der Strafverteidiger wichtige Informationen, welche für die anwaltliche Beratung von entscheidender Bedeutung sein können. Gemeinsam mit dem Mandanten wird sodann der wesentliche Akteninhalt erörtert und eine optimale Strafverteidigung vorbereitet. Hierzu gehören mitunter umfangreiche Stellungnahmen und Anträge mit dem Ziel, Ihnen als Mandant eine belastende Hauptverhandlung vor Gericht zu ersparen oder jedenfalls auf eine mildestmögliche Bestrafung hinzuwirken.

Der Tatbestand des Vollrausches ermöglicht als Auffangtatbestand eine Bestrafung von Personen, die im Rauschzustand Straftaten begangen haben, dafür aber wegen einer rauschbedingten Schuldunfähigkeit nicht unmittelbar zur Verantwortung gezogen werden können. Der Grund der hier ausgeweiteten und vorgelagerten Strafbarkeit ist die Gemeingefährlichkeit der rauschmittelbedingten Unfähigkeit zur Selbstkontrolle.

Wegen Vollrausches wird daher bestraft, wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel in einen Rausch versetzt und in diesem Zustand eine rechtswidrige Tat begeht, deretwegen er nicht bestraft werden kann, weil er infolge des Rausches schuldunfähig war oder weil dies nicht auszuschließen ist. Bestraft wird der Vollrausch mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, wobei die Strafe nicht höher ausfallen darf als die Strafe, die man wegen der im Rausch begangenen Straftat erhalten hätte. Die konkrete Strafe richtet sich immer nach einzelfallabhängigen Umständen und dem Vorleben des Beschuldigten. Eine gewichtige Rolle im Rahmen der Strafzumessung können z.B. auch das Tatnachverhalten, der eingetretene Schaden, mögliche Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch sowie die Konsequenzen der Strafe für den Beschuldigten spielen.

Unter alkoholischen Getränken sind sämtliche alkoholhaltige Stoffe zu verstehen. Berauschende Mittel sind solche, die das Hemmungsvermögen sowie die intellektuellen und motorischen Fähigkeiten beeinträchtigen. Von einem Rausch redet man, wenn ein Zustand erreicht ist, in dem sich die jeweils spezifischen psycho-physischen Wirkungen des Rauschmittels in einem solchen Maß entfalten, dass nach allgemeiner Erfahrung mit erheblichen Beeinträchtigungen der Fähigkeiten zu rechnen ist, das eigene Verhalten an rechtlichen Verhaltensnormen zu orientieren.

Objektive Bedingung der Strafbarkeit des Vollrausches ist, dass der Beschuldigte im Zustand des Rausches eine rechtswidrige Tat begangen hat, deretwegen er aufgrund einer rauschbedingten Schuldunfähigkeit nicht bestraft werden kann. Als rechtswidrige Tat in diesem Sinne gelten dabei alle Handlungen, die den Tatbestand eines Strafgesetzes verwirklichen.

Insbesondere bei Trunkenheitsfahrten mit einer sehr hohen Alkoholisierung, bei welcher dann eine Schuldunfähigkeit vorliegt, kann der Vollrausch eine Rolle spielen. Gleiches gilt in der Praxis bei Körperverletzungsdelikten unter erheblicher Alkoholisierung.